Power-Pop-Kolumne von Robert Pally

The Boris Flats
«Dinlo – The Original Soundtrack» (http://www.notlame.com/ )

The Cobbwebs

«Magic Boat» (Jam Records / Import)

The Boris Flats sind die Band des englischen Songwriters und Multiinstrumentalist Van Norris-Jones, der sich bei den Aufnahmen zum Debüt seiner Band anscheinend wie Brian Wilson fühlen wollte. Zusammen mit seinem Partner Geoff Webb hat er sich mit einem Sammelsurium an Instrumenten für «Dinlo» in einem Studio verschanzt und getüftelt, was das Zeug hielt. Entstanden ist dabei ein vielschichtiges Psych-Pop-Werk, das nicht nur Brian Wilson Tribute zollt. In den dreizehn Songs sind Zitate von den Sechzigern bis heute zu finden. Manchmal hört man Ben Folds Five heraus oder der Sound der englischen Gitarrenbands von Mitte der Achtziger wird offenbar. Mit zwei Songs nähern sich Boris Flats sogar dem Dancebereich. Van Norris-Jones Weitsicht verhindert aber, dass das Album auseinander fällt und durchaus als stimmiger Soundtrack, wie der Titel assoziert, durchgehen kann.

Robert Pally

02.09.02

Die Cobbwebs, wahrscheinlich benannt nach einem Song von Phil Ochs, sind tief in den Sechzigern stecken geblieben, zumindest musikalisch. Die zwanzig Songs auf ihrer CD «Magic Boat» wiederbeleben authentisch den Sound der Beach Boys, der Hollies, der Beatles und ähnlich gelagerter Gruppen. Meistens klingt das so echt, dass man meint verschollene Aufnahmen aus den Sechtziger zu hören. Erst ein Blick auf das Cover von «Magic Boat» verrät, dass hier eine Band von heute am Werk ist. Im Song «Dream girl» ist den Cobbwebs aber ein kleiner Lapsus in Sachen Authenzität unterlaufen: Der Song wird vom Einwählton eines Modems eröffnet. Das bekräftigt aber bloss den Gedanken, dass «Magic Boat» einfach ein kurzweiliger Trip in die Sechziger sein soll. Nicht mehr und nicht weniger.

Robert Pally

02.09.02