Power-Pop-Kolumne von Robert Pally

The Little Murders
«We should be home by now» (Swerve Records / www.swerve.com.au)

Mello Cads

«Soft as rock» (Franklin Records / import)

In den frühen Achtziger waren Little Murder ein Fixpunkt in der Melbourner Indie-Pop-Szene. Nach ein paar Singles und einem Album («Stop») verschwand die Band in der Versenkung. Erst 1995 meldete sie sich zurück. Ausser Singer / Songwriter Rob Griffiths war aber kein Originalmitglied mehr dabei. Zwei Jahre später veröffentlichte Little Murder mit «...and stuff like that» ein neues Album, das als Bonus sechs neu gemasterte Songs von «Stop» enthielt. Der Focus der Band hatte sich vom Power Pop / Mod in Richtung Americana verschoben. Geblieben war bloss Griffiths Stimme, die immer wieder Ähnlichkeiten mit Ray Davies aufweist, aber nie ganz seinen Ausdruck erreicht. Das neue Werk «We should be home by now» zeigt Little Murder erneut mehr als Country-Rock-Folk-Band. Die vierzehn Songs versprühen die gleiche entspannte Stimmung wie das Bild auf Cover, das an einem Strand augenommen wurde. Gelegentlich kippt diese Stimmung aber etwas in Richtung Langweile um, weil Songs wie «All that she said to me» oder «Sandie Shaw» etwas zu gleichförmig klingen. 

Robert Pally

Vor nicht so langer Zeit, 1996, befand der Engländer Mike Flowers, dass der aktuellen Musik einfach ein gewisses Mass an Stil fehle. Er wünschte sich die Zeit von Burt Bacharach, Paul Williams, opulenten Filmsoundtracks und Jimmy Webb zurück. Deswegen nahm er Lieder von fehlgeleiteten Künstlern wie Oasis oder Björk und verpasste ihnen den nötigen Stil. Das Ganze nannte er «A groovy place» und so tönte es auch. Etwas Ähnliches dachte sich der aus L.A. stammende David Ponak. Sein Unterfangen nennt er «Soft as a rock», was ein wenig Ironie vermuten lässt. Songtitel wie «Cad for all seasons», «Soapland» oder «Loveland» bestätigen  diesen Eindruck. Anstatt fehlgeleitete Künstler auf den rechten Weg zu führen, interpretiert Ponak lieber die Musik von Geistesverwandten. Neben Eigenkompositionen wartet er mit  vier Coverversionen auf. Je eine von Verrill Keene alias Bob Keane (Del-Fi Records) und Chris Dedrick (Free Design). Und zwei von Singer-Songwriter Paul Williams (verfasste u.a. den Soundtrack zum Film «Phantom of the Paradise»). Letzteren holte er sich gleich ins Studio. Williams singt beim Song «The drifter» mit, den er zusammen mit Roger Nichols (Songwriter für Carpenters, Petula Clark, Shirley Bassey, Paul Anka) verfasst hatte. Im gleichen Song redet Williams Ponak ins Gewissen, er soll das mit den Frauen doch nicht so ernst nehmen. Das gleiche gilt für «Soft as a rock».       

Robert Pally

02.09.2002