Power-Pop-Kolumne von Robert Pally

Million Yen
«Blue television windows» (Veronica Records / www.veronicarecords.com)

The Secrets
Time will come» (www.secretdeals.com.au)

Ich könnte meine Besprechung des Debüt-Albums der Chicagoer Band Million Yen sehr kurz halten. «Blue television windows» ist in jeder Hinsicht schlichwegs grossartig. Jeder, der auf kraftvollen Power Pop à la Foo Fighters, Cheap Trick oder Weezer steht, sollte sich das Album zulegen. Damit würde ich das Essentielle sagen, aber der Band nicht ganz gerecht werden. Million Yen haben eine Vergangenheit und mit etwas Glück eine viel versprechende Zukunft vor sich. Andy Gerber, der bereits in einigen Bands aus Chicago spielte, gründete das Quartett 1998. Ihren ersten Auftritt hatten Million Yen aus gerechnet im Vorprogramm von Cheap Trick. Beide Bands haben eine ähnlichen musikalischen Ansatz: Hardrock mit ausgefeilten Gesangsharmonien. Ihre erste Single «Chemical drip» brachte der Band durchwegs gute Kritiken. Was bei der ansteckenden Kraft des Songs nicht verwundert. Das Debüt «Blue television windows» knüpft genau daran an. Einige Songs übertreffen sogar noch dessen Eingängigkeit. «Poor little rich kid», «Seven days» und «Summer girl» sind Hits, ohne Wenn und Aber. Wann hören wir so etwas endlich im Radio?  

Robert Pally

 Peter Rechter von der australischen Band The Secrets spielte sich in den Sechzigern mit Peter & the Silhouettes durch die Tanzschuppen von Victoria. Eine ganze Platte brachte die Beattruppe nie heraus, dafür waren sie aber auf einem Sampler mit lokalen Bands vertreten. Unter dem Namen The Tol Puddle Martyrs gelang der Band später mit «Time will tell» ein Hit in Viktoria . Seit Mitte der Siebziger ist Peter Rechter mit wechselnder Mannschaft unter dem Namen The Secrets unterwegs. Auf dem aktuellen Album «Time will come» wird er von Graham McCoy unterstützt. Unter den insgesamt 14 Songs (inklusive vier Hiddentracks)  befinden sich Originalaufnahmen von Peter & the Silhouettes und The Tol-Puddle Martyrs, die in nichts denen von damaligen Beatsbands nachstehen. Der Schwachpunkt sind die neuen Songs. Diesen Aufnahmen fehlt es an zündenden Ideen und sie tönen eine Spur zu glatt und bieder. Die Produktion ist überdies weder richtig modern noch richtig Retro. Der dünne Sound klingt wie direkt aus den Achtzigern importiert. Zumindest entschädigen das beatige «Claudette Jones», die frühen Aufnahmen und ein Video für diesen Umstand.  

Robert Pally

02.09.2002